Facility Management – Modewort oder zwingende Notwendigkeit?
In vielen Unternehmen wird immer häufiger der Begriff "Facility Management" verwendet, ohne eine klare Begriffsdefinition zu haben. Verschiedene nationale und internationale Verbände bemühen sich hierbei um eine einheitliche und allgemein verständliche Definition.
z. B. Definition GEFMA:
"Facility Management ist Betrachtung, Analyse und Optimierung aller
kostenrelevanten Vorgänge rund um ein Gebäude, ein anderes bauliches
Objekt oder eine im Unternehmen erbrachte (Dienst-) Leistung, die nicht zum
Kerngeschäft gehört."
Dieser Artikel soll nicht eine zusätzliche Definition für Facility
Management liefern, sondern Anregungen geben, welchen Nutzen ein Unternehmen
durch Facility Management erzielen kann.
Nehmen Sie z. B. die Gebäudekosten:
Sie setzen sich vereinfacht aus den Baukosten und den Unterhaltskosten (Betriebskosten)
über die Lebensdauer einer Immobilie zusammen. Hierbei entsteht bei einer
50-jährigen Nutzungsdauer ein Verhältnis von:
Baukosten ca. 10%
Unterhaltskosten ca. 90%
Das Verhältnis unterstreicht die Notwendigkeit, die Unterhaltskosten genauer
zu betrachten.
Die Unterhaltskosten für die Gebäude belasten die Produkte oder Dienstleistungen
eines Unternehmen. Diese Unterhaltskosten (auch Sekundärkosten genannt)
fließen in die Betriebsabrechungsbögen (BAB) ein und belasten die
Produkte und Dienstleistungen durch den ermittelten Gemeinkostenzuschlag. Der
Gemeinkostenzuschlag beträgt je nach Unternehmen zwischen 20% - 30% und
beeinflusst direkt die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, wobei die
meisten Unternehmen nicht in der Lage sind, konkrete Kosten für den Betrieb
ihrer Gebäude inklusive der technischen Anlage und der Büroausstattung
zu nennen. Schon die Grundlagen für die Betriebskosten sind in den Unternehmen
nicht vorhanden.
- Flächenaufteilung nach DIN 277
- Fläche pro Arbeitsplatz inklusive anteilige Nebenflächen
- Bewirtschaftungskosten pro qm
- Bewirtschaftungskosten pro Arbeitsplatz
Warum Facility Management?
Der Betrieb von Gebäude erfolgt durch mehrere interne Abteilungen teils
als Nebentätigkeit zu den betrieblichen Aufgaben (Kerngeschäft),
teils als Hauptaufgabe (Bau- oder Verwaltungsabteilung). Während die Produktionsabläufe
(Kernprozesse) in den letzten Jahren immer wieder optimiert wurden, betrachtete
man die Gebäude und deren Unterhalt als "notwendiges Übel" für
die Erstellung von Produkten und Dienstleistungen. Ein Umdenken in der Gebäude-Bewirtschaftung
ist zwingend erforderlich durch:
- Kostendruck auf das Kerngeschäft
- steigende Instandhaltungskosten
- wachsender Energieverbrauch
- usw.
- Immobilien aktiv zu steuern und nicht auf die Anforderungen reagieren
- Die Unterhaltskosten der Immobilien deutlich zu reduzieren
bezogen auf die Flächen-, kaufmännische und technische Bewirtschaftung.
Die ganzheitliche Bewirtschaftung einer Immobilie macht nicht nur die
Kosten transparent und hilft damit auf direktem Weg Kosten einzusparen,
sondern versetzt die Mitarbeiter in die Lage sich ganz auf ihre Tätigkeit
zu konzentrieren und nicht zusätzlich technische und organisatorische
Mängel am Arbeitsplatz
beseitigen zu müssen. Dies ist eine Aufgabe von Facility Management.
Facility Management für ein Neubauprojekt:
Facility Management betrachtet das Gebäude beginnend von der Planung über
die Ausführung, dem Betreiben und Änderung der Nutzung bis zum Abriss,
also über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Im Gegensatz zur konventionellen
Planung von Gebäuden, bei der unter der Maßgabe eine festgelegte
Investitionssumme nicht zu überschreiten ein Bauvorhaben abgewickelt wird,
beginnt Facility Management schon in der Planungsphase die Unterhaltskosten
zu optimieren. Dies erreicht Facility Management, indem es zum frühestmöglichen
Zeitpunkt entscheidende Faktoren der Unterhaltskosten aufzeigt.
Begleitet Facility Management ein Neubauprojekt von der Planung an, ist
es in der Lage, die Betriebskosten zu senken und sie als kalkulierbare
Größe
zu sichern. Mit dieser Unterstützung entscheidet sich der Bauherr nicht
nur auf Grundlage von Investitionskosten, sondern mit dem Fokus auf die
Unterhaltskosten. Entscheidend hierbei ist nicht die Optimierung einzelner
Faktoren, sondern die Optimierung aller Leistungen zur Nutzung einer Immobilie.
Facility Management für bestehende Gebäude:
Facility Management bietet nicht nur für Neubauprojekte Einsparungspotentiale,
sondern auch für bestehende Gebäude. Der Fokus richtet sich hierbei
auf die Energieoptimierung, Kostentransparenz, Betriebsabläufe und die
Aufbauorganisation, da bauliche oder haustechnische Optimierungen in der Regel
nur mit sehr hohen Kosten zu realisieren sind. Viele Unternehmen beschäftigen
sich intensiv mit der Optimierung der Energie- und den Telefonkosten.
Eine untergeordnete Rolle spielen dabei Bewirtschaftungs-Optimierungen durch:
- zentrale Verantwortung und Steuerung
- Vereinfachung der Betriebsabläufe
- Kostentransparenz
- Art der Datenhaltung
Nehmen Sie als Beispiel die Komplexität einer Neueinstellung eines Mitarbeiters.
Wie viele Formulare dabei ausgefüllt und wie viele verschiedene Abteilungen
daran beteiligt sind, ist oftmals im Unternehmen nicht bekannt. Auch sind Informationen über
den Mitarbeiter (Name, Nachname) in jeder Abteilung mehrfach und in verschiedenen
Formen (Excel-Liste, Papierformular, Telefonanlage, Telefonverzeichnis, Zutrittskontrolle,
Access-Datenbank, Personalsystem) vorhanden. Bei Namensänderungen oder
Umzügen müssten eigentlich alle Listen aktualisiert werden, damit
die verschiedenen Abteilungen den gleichen Informationstand für ihre Tätigkeiten
besitzen.
Durch eine Optimierung der Betriebsabläufe und der Datenhaltung sind Einsparungspotentiale
von ca. 10 Prozent zu erzielen.
EDV-Systeme für Facility Management:
Unterstützung für Facility Management bieten Softwarehersteller in
Form von CAFM Systemen (Computer Aided Facility Management). Aktuelle Marktbeobachtungen
weisen ca. 70 EDV Systeme unter dem Begriff Facility Management auf, wobei nur
wenige den ganzheitlichen Ansatz von Facility Management erfüllen. Oft
sind die genannten Einsparungspotentiale von bis zu 30 Prozent nicht oder nur
selten zu erreichen. Die Entwicklung der CAFM Systeme geht weg von "CAD-lastigen" Systemen,
die nur mit speziellen Kenntnissen zu bedienen sind, zu Datenbank-orientierten
Systemen mit einfacher Bedienung. Die Datenbank-orientierten Systeme haben eine
zentrale Datenhaltung und stellen für die verschiedenen Tätigkeiten
die benötigten Daten zur Verfügung. Gute CAFM Systeme bieten die
folgenden Vorteile:
- aktuell und sofort verfügbare Informationen
- gute Kostentransparenz
- Unterstützung d. Gebäude-Bewirtschaftung
Outsourcing:
In Verbindung mit Facility Management fällt immer wieder der Bergriff
Outsourcing. Vor der Vergabe an externe Dienstleister sind die Leistungen
aber zu kategorisieren. Danach ist zu entscheiden, ob sie als Fremdleistung
eingekauft werden.
Entscheidend für die Auswahl eines externen Dienstleister ist nicht nur
eine genaue Ausschreibung und der Outsourcing-Vertrag, sondern auch eine
"Null-Fehler-Einstellung" und die Bereitschaft, die vereinbarten Leistungen
kundenorientiert zu erbringen. Outsourcing bietet Vorteile durch Konzentration
auf das Kerngeschäft, flexible Kapazitätsanpassung, Kostensenkung
und Know-how Transfer. Nachteile von Outsourcing ergeben sich durch Abhängigkeit,
mangelnde Einflussnahme, Koordinationsprobleme und Kompetenzverlust.
Beratungsleistungen für Facility Management:
Immer mehr Beratungsunternehmen für Facility Management befinden sich auf dem Markt. Auswahlkriterien für Unternehmen, die Beratungsleistungen im Facility Management anbieten, sollten sein:
Neutralität
Fachkompetenz in Haustechnik, Kommunikationstechnik, Informatik, Betriebswirtschaft,
Organisation der Betriebsabläufe
Analyse, Pflichtenheft Facility Management Systeme
Ausschreibung von Facility Management Leistungen
Mitarbeiterkapazitäten und Referenzen
Die konsequente Anwendung von Facility Management senkt die Unterhaltskosten
und erhält den Immobilienwert.
