Quelle: Staatsanzeiger.de
30.09.2009 Karlsruhe. In den Schulen im Südwesten werden nach Expertenansicht nicht einmal die elementarsten Grundsätze für Sicherheit befolgt. „Es fängt damit an, dass kaum eine Schule eine vernünftige Hausordnung mit klaren und verbindlichen Regeln hat“, sagte Steffen Weiß, Leiter der Abteilung für Sicherheit im Karlsruher Unternehmen b.i.g. Schulen hätten dadurch keine Handlungsgrundlage, Lehrer keine Handhabe gegen gewaltbereite Schüler und Vandalismus oder gegen Leute, die das Schulgebäude unbefugt betreten.
„Mit einfachsten Mitteln können Schulen sicherer gemacht werden“, sagte Weiß. Er plädierte für Zutritts-Ausweise, klare Hausordnungen und regelmäßige Taschenkontrollen. „Von einem oft beschworenen angeblichen "Hochsicherheitstrakt" sind wir dann immer noch weit entfernt.“ Seine Anregungen sind Gegenstand von Fachvorträgen und Diskussionen zum Thema „Sicherheit an Schulen“ an diesem Donnerstag (1. Oktober) auf der Karlsruher Sicherheitsmesse „SAFEKON“.
Untersuchungen der auch im Sicherheitsbereich tätigen b.i.g.- Gruppe in rund 30 Schulen im Südwesten hätten ergeben: Gerade die Schulen als sensibelste gesellschaftliche Brennpunkte seien am schlechtesten gesichert. „Dabei spricht überhaupt nichts dagegen, dass Schulen den gleichen Sicherheitsstandards unterworfen werden, wie sie in Betrieben und auf Werksgeländen schon seit Jahren gang und gebe sind“, führte Weiß weiter aus.
Leider aber werde der Gedanke „Sicherheit“ nicht sauber vom Gedanken der „Pädagogik“ getrennt: „In Hausordnungen herrschen Formulierungen vor wie "sollte", "könnte", "möglichst". Was Schulen aber brauchen, sind juristisch klar formulierte Regeln, an denen Schüler sich dann bei Verstößen messen müssen“, forderte er.
Leider werde auch „pädagogisch“ argumentiert, wenn es um offene Schulen gehe. „Es gibt aber überhaupt keinen Grund, warum die Türen in den Schulen den ganzen Tag offen sein sollten“, betonte Weiß. „Auch Werksgelände sind schließlich nur dem zugänglich, der dorthin gehört“. Der Sicherheitsexperte plädierte für Schülerausweise in Form von Zutrittskarten mit Magnetstreifen. Schulen sollten nur bis Unterrichtsbeginn geöffnet sein und dann schließen. Wer später komme, käme mit der Karte hinein. Die Kosten für eine solch einfache Maßnahme bewegten sich im überschaubaren Bereich von etwa 5 Euro pro Karten und rund 2000 Euro pro Lesegerät.
Solche Ausweise könnten auch, ähnlich wie Werksausweise, an der Kleidung getragen werden. „Damit wäre auch gewährleistet, dass sich erkennbar nur Schüler und Lehrer auf dem Gelände aufhalten“, sagte Weiß. Das Problem der Anonymität in immer größer werdenden Schulkomplexen werde damit ebenfalls angegangen.
In regelmäßigen Abständen sollte geschultes Personal Taschen kontrollieren. „Nichts spricht dagegen, dass ab und zu die Taschen auf dem Pausenhof oder einer bestimmten Klasse kontrolliert werden“, sagte er. Wer öfter unangekündigt kontrolliert werde, für den sei die Hemmschwelle größer, Schuleigentum zu beschädigen oder gewalttätig zu werden.
„Viele Schulen klagen über etwa durch Vandalismus verursachte jährliche Kosten von bis zu 30 000 Euro“, sagte er. Man könne aber mit deutlich weniger Geld die Sicherheitsstandards an Schulen deutlich und langfristig verbessern - und in letzter Instanz auch Amokläufe erschweren. Erst seit dem Amoklauf von Winnenden und Wendlingen sei Sicherheit an Schulen wirklich zum Thema geworden. Weiß warnte: „Wenn wir jetzt nicht handeln, dann haben wir in zehn Jahren an den öffentlichen Schulen die gleiche Situation wie in den Pariser Vorstädten und in den USA.“